Jagd & Naturschutz

Jagdpächter und Rehkitzrettung: Warum die Zusammenarbeit zählt

22. Juli 2026

Landwirt steht am Traktor am Rand einer Wiese und plant die Absuche

Bevor im Frühjahr die ersten Mähwerke über die Wiesen rund um Werder (Havel) fahren, kennt oft schon jemand anderes die Fläche gut: der Jagdpächter. Er ist für sein Revier verantwortlich, kennt Wildwechsel und vermutete Setzplätze und trägt eine gesetzliche Pflicht, die mit der Rehkitzrettung eng verwandt ist. Für unseren Verein sind Jagdpächter deshalb natürliche Partner, keine Konkurrenz um dieselbe Aufgabe.

Was ein Jagdpächter überhaupt macht

In Deutschland gilt das Reviersystem. Jagd darf nur in einem festgelegten Jagdbezirk ausgeübt werden, nicht frei nach Belieben auf beliebigen Flächen. Große zusammenhängende Grundstücke eines einzelnen Eigentümers können einen Eigenjagdbezirk bilden. Kleinere Flächen mehrerer Eigentümer schließen sich dagegen zu einem Gemeinschaftsjagdbezirk zusammen, verwaltet von einer Jagdgenossenschaft, in der die Grundeigentümer Zwangsmitglieder sind. Diese Jagdgenossenschaft verpachtet das Jagdausübungsrecht meist an einen Jagdpächter, häufig für mehrere Jahre am Stück. Der Pächter darf im Revier jagen, das Wild hegen und sich aneignen. Damit trägt er über lange Zeit Verantwortung für ein bestimmtes Stück Landschaft, häufig genau jene Wiesen und Feldränder, die im Frühsommer gemäht werden. Wer als Landwirt oder Bürger mit Fragen zu einem Revier zu tun hat, landet fast immer zuerst beim zuständigen Jagdpächter.

Die Hegepflicht: mehr als nur jagen

Mit dem Jagdrecht ist im Bundesjagdgesetz eine Pflicht verbunden, die außerhalb der Jägerschaft wenig bekannt ist: die Hege. Sie verpflichtet dazu, einen der Landschaft angepassten, artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten und dessen Lebensgrundlagen zu sichern. Gleichzeitig soll Hege so ausgeübt werden, dass Schäden an Landwirtschaft, Wald und Fischerei möglichst vermieden werden. Ein Jagdpächter ist damit nicht nur Jäger, sondern im eigenen Revier auch für das Wohl des Wildes verantwortlich, weit über die eigentlichen Jagdzeiten hinaus. Die Rehkitzrettung vor der Mahd passt genau in dieses Verständnis von Hege, auch wenn die eigentliche Absuche mit der Wärmebilddrohne durch unseren Verein und nicht durch den Jagdpächter selbst erfolgt. Beide Seiten verfolgen im Grunde dasselbe gesetzlich verankerte Ziel, nur mit unterschiedlichen Mitteln.

Warum beide Seiten voneinander profitieren

Die Mahdsaison von April bis Juni ist kurz, und die Flächen rund um Werder (Havel) und im übrigen Brandenburg sind groß. Kein einzelner Akteur kann sie alle gleichzeitig im Blick behalten. Ein Jagdpächter kennt sein Revier oft seit Jahren, weiß ungefähr, wo Ricken bevorzugt setzen, und steht meist bereits in Kontakt mit den Landwirten vor Ort. Unser Verein bringt die Wärmebilddrohne und ausgebildete Piloten mit, um genau diese Flächen systematisch vor Sonnenaufgang abzusuchen. Weist uns ein Jagdpächter frühzeitig auf eine gefährdete Fläche hin, sparen wir wertvolle Zeit in den kühlen Morgenstunden vor der Mahd, in denen der Temperaturunterschied zwischen Kitz und Boden am größten und die Wärmebilddrohne am wirksamsten ist. So ergänzen sich Ortskenntnis auf der einen und Technik auf der anderen Seite, statt dass beide getrennt nebeneinander arbeiten.

Regionale Vernetzung nutzen

Jagdpächter sind selten isoliert unterwegs. Viele Reviere sind über Hegegemeinschaften oder die örtliche Kreisjägerschaft miteinander verbunden, in denen sich Jagdpächter regelmäßig austauschen. Ein solches Netzwerk kann helfen, den Hinweis auf die Rehkitzrettung schnell an mehrere Reviere gleichzeitig weiterzugeben. Für einen jungen Verein wie Wildflug Werder e.V., der online noch wenig sichtbar ist, sind solche bestehenden Strukturen wertvoll. Wir müssen nicht jeden Landwirt und jeden Jagdpächter einzeln erreichen, wenn uns bestehende Netzwerke dabei unterstützen, die Botschaft weiterzutragen.

Was das für die Praxis bedeutet

Konkret bedeutet Zusammenarbeit meist wenig zusätzlichen Aufwand. Ein Jagdpächter kann uns oder die Landwirte auf Flächen aufmerksam machen, die bald gemäht werden, besonders wenn er selbst Wildwechsel oder vermutete Setzplätze kennt. Landwirte wiederum können ihre Fläche zur Mahd anmelden, damit wir die Absuche rechtzeitig einplanen können. Am Einsatztag selbst ändert sich am Ablauf nichts: Die Drohne fliegt die Wiese vor Sonnenaufgang ab, gefundene Kitze werden ohne Berührung mit bloßen Händen gesichert, und die Fläche wird anschließend zum Mähen freigegeben. Der Jagdpächter muss dafür nicht selbst anwesend sein, ein früher Hinweis genügt in der Regel schon.

Gemeinsame Verantwortung für den Wildbestand

Rehkitzrettung, Landwirtschaft und Jagdrecht verfolgen im Kern dasselbe Ziel. Ein gesunder Wildbestand und eine funktionierende Nutzung der Flächen sollen zusammenpassen, nicht gegeneinander stehen. Als junger Verein in Werder (Havel) verstehen wir uns dabei als lokale Ergänzung zu bestehenden Strukturen der Jagd, nicht als Ersatz für die Arbeit der Jagdpächter vor Ort. Wenn Sie als Jagdpächter, Landwirt oder Mitglied einer Jagdgenossenschaft Interesse an einer Zusammenarbeit haben, melden Sie sich bei uns. Gemeinsam lässt sich beim Schutz der Rehkitze mehr erreichen, als jede Seite für sich allein schaffen könnte.